Inhaltsverzeichnis:
0 Tschechien
1 Bevölkerung
2 Geografie
3 Staats- und Landesname
4 Geschichte
5 Verfassung
6 Umwelt
7 Wirtschaft und Verkehr
8 Sport
9 Die 10 größten Städte
10 Weblinks
11 Immobilien
12 Reisen
13 Bücher
14 Reisegewinnspiel
15 Reisenewsletter
Weitere
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Geschichte - Tschechien
Tschechien besteht aus den historischen Landesteilen Böhmen, Mähren und Tschechisch Schlesien, die seit dem 11. beziehungsweise 14. Jahrhundert als Länder der böhmischen Krone eine historische Einheit bilden.
In Österreich-Ungarn wurde meist von "Böhmen und Mähren" gesprochen, ab etwa 1870 auch von "Tschechien". In Norddeutschland war auch "Tschechei" gebräuchlich.
Unter der deutschen Besetzung (1939–1945) wurde das Land zum "Protektorat Böhmen und Mähren".
Historisch besteht Tschechien aus den Ländern Böhmen, Mähren und Tschechisch Schlesien (ehemals Österreichisch Schlesien, siehe auch Schlesien). Diese so genannten "Böhmischen Kronländer" gehörten im Mittelalter zum Zentrum europäischer Kultur, wurden aber im Verlauf konfessioneller Konflikte im 17. Jahrhundert geschwächt. So gewann das Herrscherhaus Habsburg zunehmend Einfluss über diese Gebiete, die letztendlich bis 1918 Bestandteil Österreichs waren.
Vor- und Frühgeschichte - Böhmen
Die Besiedlung Böhmens reicht mindestens bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. In der vorrömischen Eisenzeit (ab etwa 800 v. Chr.) wurde das Gebiet von Kelten besiedelt. Bekannt aus der antiken Literatur sind die Bojer, nach deren lateinischem Namen, Boiohaemum, Böhmen benannt wurde. Den Kelten folgten am Beginn des ersten Jahrhunderts nach Christus germanische Völker, vor allem der germanische Stamm der Quaden siedelte in Böhmen während die Markomannenin Mähren (ein heutiger Teil von Tschechien) ansiedelten. Seit etwa 550 wanderten zusätzlich Slawen von Osten her nach Böhmen ein. Im 7. Jahrhundert werden in diesem Gebiet 14 slawische Stämme vermutet, darunter die in Zentralböhmen sesshaften Tschechen.
Mittelalter
658 starb Samo, ein fränkischer Kaufmann aus dem Senoner Land und der erste Herrscher der Slawen, dessen Name bekannt ist. Das Gebiet des so genannten Reiches von Samo, das in Wirklichkeit jedoch wohl nur eine Art Stammesbund war, umfasste die heutigen Gebiete Slowakei, Mähren, Niederösterreich, später wahrscheinlich auch Böhmen, die Lausitz (an der Elbe) und vorübergehend auch (das historische) Kärnten.
Böhmen gehörte zum Einflussgebiet Kaiser Karls des Großen (768-814).
Přemysliden
Der erste historisch belegte Přemyslide ist Bořivoj I.. Sein Enkel Herzog Wenzel von Böhmen (tschechisch: Václav) wurde 929 von seinem Bruder Boleslav ermordet und später Schutzheiliger des Landes. 973 gab Kaiser Otto Böhmen ein eigenes Bistum mit Sitz in Prag (Praha). Bis dahin war Böhmen ein Teil des Bistums Regensburg. Spätestens ab dem 10. Jahrhundert lebte in Prag eine bedeutende deutsche und jüdische Gemeinschaft. Im 12. Jahrhundert begann die intensive Besiedelung der bis dahin nur dünn bevökerten oder noch siedlungsleeren Randgebiete durch deutsche Bauern und Bergleute. Auch in vielen Städten Innerböhmens lebten ab dem 12./13. Jahrhundert Deutsche und Tschechen zusammen.
Der spätere König Ottokar II. (Otakar) wurde 1251 Herzog von Österreich, 1261 auch Herzog der Steiermark, 1269 auch von Kärnten und Krain. Damit erreichte das přemyslidische Herrschaftsgebiet seine größte Ausdehnung. Da er den anderen Fürsten im Reich zu mächtig wurde, wählten sie 1273 Rudolf I. von Habsburg zum König, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. 1306 wurde sein Enkel Wenzel III. in Olmütz (Olomouc) ermordet. Dies ist das Ende der Přemyslidendynastie. Wenzels jüngste Schwester Elisabeth (Eliška) heiratete dann Johann von Luxemburg.
Luxemburger
Mit König Johann (Jan) kam 1310 die Dynastie der Luxemburger auf den böhmischen Thron. 1347 wurde sein Sohn, der spätere Kaiser Karl IV. (Karel) König von Böhmen. Er gründete 1348 in Prag die nach ihm benannte Karlsuniversität als erste Universität auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches. Zu jener Zeit war die böhmische Hauptstadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mitteleuropas. Das böhmische Königreich bildete das Zentrum der luxemburgischen Hausmacht und der imperialen Politik Karls IV. Benachbarte Territorien inkorporierte er in die Krone Böhmen. Seit dem 14. Jahrhundert gehörten deshalb Schlesien, die Lausitzen und zeitweise auch die Oberpfalz zum böhmischen Staatsverband. Karl IV. betrieb eine ausgleichende Nationalitätenpolitik: Er schützte und förderte die Deutschen in Böhmen, verlangte von ihnen aber, dass sie ihre Kinder zweisprachig deutsch und tschechisch erziehen. Um die Zeit seines Todes im Jahr 1378 erreichte die deutsche Besiedlung Böhmens ihren Höhepunkt. Schon ab dem späten 14. Jahrhundert ging die deutsche Sprache und Bevölkerung wieder zurück, bis die Hussitenkriege in den 1420er Jahren dazu führten, dass die Deutschen in Innerböhmen teils vertrieben, teils massakriert und teilweise assimiliert wurden. Im Grenzgebiet und in Prag blieb die deutsche Besiedelung erhalten.
Von der Hussitischen Revolution bis zum Frieden von Olmütz (1479)
Der 1369 in Hussinetz (Husinec) (daher auch sein Name Hus) in Südböhmen geborene religiöse Reformator Jan Hus wurde 1415 in Konstanz, in der Zeit des Konzils von 1414 bis 1418, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt - letztlich Auslöser der Hussitenkriege. In den Hussitenkriegen entluden sich nationale, soziale und konfessionelle Spannungen mit großer Heftigkeit. Die blutigen Kriegszüge der Hussiten führten nach Bayern, Schlesien, Österreich, Brandenburg und bis an die Ostsee.
Endergebnis der Hussitenkriege war ein für die gemäßigten Utraquisten (ursprünglich: "Kalixtiner") günstiger konfessioneller Kompromiss, die Stärkung des niederen Adels und der königlichen Städte. Endgültig beigelegt wurde der Konflikt zwischen den Utraquisten auf der einen Seite sowie dem Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus (ungarisch: Hunyadi Mátyás, tschechisch: Matyáš) auf der anderen Seite mit dem Frieden von Olmütz (tschechisch: Olomouc) 1479. Das vormals zahlenmäßig und wirtschaftlich starke deutschsprachige Stadtbürgertum war nicht zuletzt auch durch Enteignungen geschwächt worden. Ursache dafür war nicht allein der nationale Dissenz, sondern vor allem die Tatsache, dass die deutschen Patrizier katholisch geblieben waren. Wirtschaftlich und kulturell fiel Böhmen, im 14. Jahrhundert noch eine der führenden Regionen Europas, für mehrere Generationen weit zurück.
Der böhmische Ständestaat unter den Jagiellonen und Habsburgern (1479-1620)
Die Stände Böhmens wählten den Jagiellonen Ladislaus (Vladislav) 1471 zum König (Ladislaus II.). Von seinem Vorgänger, dem Utraquisten Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad), erbte er den Krieg gegen den Gegenkönig Matthias Corvinus, der im Gegensatz zu Ladislaus (welcher auch Katholik war), nicht bereit war, die utraquistische Konfession landesrechtlich anzuerkennen. Mit dem Frieden von Olmütz wurde der Krieg 1479 beendet. Matthias durfte die böhmischen Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz behalten. Ladislaus und Matthias durften den Titel "König von Böhmen" führen. Mit Matthias' Tod 1490 wurde Ladislaus vertragsgemäß alleiniger König von Böhmen. Weil sein Nachfolger Ludwig (Ludvík) 1526 ohne Nachkommen starb, übernahm sein Schwager Ferdinand I. von Habsburg die böhmische Krone.
1575 wurde auf Betreiben der protestantischen Stände die Confessio Bohemica verfasst. Sie sollte alle evangelischen Strömungen im Land unter einem theologischen Dach vereinen.
1618 rebellierten die evangelischen Stände gegen Kaiser Matthias. Der Prager Fenstersturz war der Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Tod des Kaisers im März 1619 sagten sich die Stände der böhmischen Länder von den Habsburgern los und schufen sich mit der Böhmischen Konföderation eine neue Verfassung. Danach wählten sie den Calvinisten Friedrich von der Pfalz zum König.
In der Schlacht am Weißen Berge (Bílá hora) am 8. November 1620 unterlagen die böhmischen Stände unter ihrem König Friedrich von der Pfalz den Truppen der katholischen Liga, die von dem Feldherren Johann Tserclaes Graf von Tilly angeführt wurden. Friedrich, der so genannte Winterkönig, musste aus Böhmen fliehen und Kaiser Ferdinand II. konnte seinen Anspruch auf die Krone Böhmens durchsetzen.
Böhmen als Teil der Habsburgermonarchie (1620-1918)
Auf die Schlacht am Weißen Berge folgte die in der älteren nationaltschechischen Historiographie als temno "Dunkelheit" bezeichnete Zeit. Kaiser Ferdinand II. unterdrückte alle Nicht-Katholiken. Einige Führer des böhmischen Aufstands wurden hingerichtet, die Mehrheit des böhmischen protestantischen Adels wurde enteignet und musste das Land verlassen. Die Güter wurden an katholische Adlige aus anderen Teilen des Habsburgerreiches vergeben. Ein Teil des böhmischen Adels konvertierte auch zum Katholizismus. Sukzessive wurde Deutsch zur vorherrschenden Verwaltungssprache.
Die Habsburgerin Maria Theresia war von 1740 bis zu ihrem Tode 1780 Erzherzogin von Österreich und Königin Ungarns und Böhmens. 1781 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben.
20. Jahrhundert
Hauptartikel: Geschichte der Tschechoslowakei, Geschichte Tschechiens
Die Volkszählung am 31. Dezember 1900 zeigte 63 Prozent Tschechen und 36 Prozent Deutsche in Böhmen. Am 28. Oktober 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet. Die Geschichte Tschechiens behandelt den weiteren Verlauf der Geschichte Böhmens.
Tschechoslowakei (1918 - 1992)
Die Geschichte der Tschechoslowakei behandelt die Geschichte des historischen Staates der Tschechoslowakei. Dieser Staat existierte mit einer Unterbrechung zwischen 1918 und 1993.
Die Geschichte der Tschechoslowakei begann im Ersten Weltkrieg. Den tschechischen und slowakischen Persönlichkeiten Tomáš Garrigue Masaryk, Edvard Beneš und Milan Rastislav Štefánik gelang es, Unterstützung der Alliierten im September 1918 für den in 1916 gegründeten Tschecho-slowakischen Nationalrat zu gewinnen. Es handelte sich bei dem Nationalrat um eine Art provisorische Regierung. Tschechoslowakische Truppen kämpften 1918 an der Seite der Alliierten.
1918 - 1938 (Die erste Republik)
Die eigentliche Gründung der Tschechoslowakei erfolgte im Zuge des Zerfalls der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit der Proklamierung der Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918 in Prag und der anschließenden Proklamation einer Gruppe slowakischer Politiker, dass sie sich dem Staat anschließen, am 30. Oktober in Turčiansky Svätý Martin (heute Martin). Die slowakische Bevölkerung verhielt sich gegenüber dem neugegründeten Staat überwiegend abwartend. Ungarn wiederum setzte der Gründung gewaltsamen Widerstand entgegen, da es die Slowakei als integralen Bestandteil seines Staatsgebietes betrachtete. Ein erster tschechischer Besetzungsversuch der Slowakei im Dezember 1918 scheiterte, ein zweiter Anlauf im Mai/Juni 1919 geriet nach Anfangserfolgen zum Debakel. Ein französisches Ultimatum gegen Ungarn rettete die Situation für Prag.
Nur vereinzelten Widerstand setzten die Sudetendeutschen Ende November und Anfang Dezember 1918 der Besetzung ihrer Heimat entgegen. An etwa acht Orten kam es zu bewaffnetem Widerstand, so am 27. November in der Industriestadt Brüx (Kampf um Brüx) und am 2. Dezember bei Kaplitz. Als am 4. März 1919 die sudetendeutsche Bevölkerung für das Selbstbestimmungsrecht der Völker demonstrierte, zerschlug tschechisches Militär die Kundgebungen. 54 Tote und fast 200 Verletzte waren zu beklagen.
Die offizielle Bezeichnung war von 1918 bis 1938 Tschechoslowakische Republik (ČSR, anfangs RČS); bis 1923 Kurzform Tschecho-Slowakei. Der Staat ging aus den vorher zu Österreich gehörenden Gebieten Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, sowie aus den zu Ungarn gehörenden Gebieten Slowakei und Karpatenrussland (Podkarpatská Rus, heute Karpato-Ukraine (Zakarpatská Ukrajina)) hervor.
Als erster Präsident wurde der Philosoph und Soziologe Tomáš Garrigue Masaryk gewählt. Erster Regierungschef war Karel Kramář. Die provisorische Verfassung von November 1918 wurde vom Tschechoslowakischen Nationalausschuss verabschiedet, der im Juni 1918 aus Vertretern tschechischer Parteien entsprechend den Wahlergebnissen von 1911 zusammengesetzt war.
Im Februar 1920 wurde die zweite Verfassung nicht durch ein gewähltes Parlament, sondern durch die Provisorische Nationalversammlung angenommen, die durch eine Erweiterung des oben genannten Nationalausschusses gebildet wurde. Von den 270 Abgeordneten der Nationalversammlung wurden den Slowaken 54 Sitze zugeteilt. Die Deutschen in Böhmen und Mähren, welche die Gründung des neuen Staates überwiegend ablehnten, boykottierten die Nationalversammlung und verpassten so die Gelegenheit die Entstehung eines neuen Staates zu beeinflussen. Die ersten Parlamentswahlen fanden anschließend am 18. April 1920 statt. Die Tschechoslowakei war neben der Schweiz das einzige Land Mitteleuropas, das bis zum Zweiten Weltkrieg eine parlamentarische Demokratie blieb.
Die Gründung einer von Rom unabhängigen tschechoslowakischen Kirche 1920 und die Erhebung des Hus-Tages zum Staatsfeiertag 1925 ließ den im 15. Jahrhundert entstandenen Konflikt mit dem Vatikan wieder aufflammen, der im Februar 1928 beigelegt wurde. Die Beziehungen zum Vatikan blieben indessen schwierig.
1920 und 1921 wurde durch eine Serie von Verträgen die Kleine Entente gegründet, ein Bündnis zwischen der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien, das gegen die ungarische Revisionspolitik und gegen Versuche habsburgischer Wiederherstellung gerichtet war.
Auseinandersetzungen der bürgerlich-demokratischen Kräfte in der, von der Oktoberrevolution angefachten, Revolutionsbewegung in Europa machten auch vor der Tschechoslowakei keinen Halt. So wurde 1921 die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gegründet.
Nach Masaryks Rücktritt 1935 wurde sein engster Mitarbeiter Edvard Beneš zu seinem Nachfolger.
Die Zeitspanne 1934 bis 1938 brachte neben einem wirtschaftlichen Niedergang eine weitere Gefahr, denn in den Grenzgebieten mit überwiegend sudetendeutscher Bevölkerung fand die Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein einen aufnahmebereiten Nährboden. Im Jahre 1935 begann der Bau wirksamer Grenzbefestigungsanlagen nach dem Vorbild der
Maginot-Linie.
Innenpolitik
Die Tschechoslowakei war sowohl politisch als auch konfessionell ein heterogenes Gebilde. Nach den Ergebnissen der einzigen beiden tschechoslowakischen Volkszählungen der Zwischenkriegszeit bestand die Bevölkerung 1921 (1930) neben Tschechen 51,5 % (51,2 %) und Slowaken 14 % (15 %) noch aus einer großen Zahl von Deutschen 23,4 % (22,5 %) in den böhmischen Ländern (Sudetenland) und der Slowakei (Karpatendeutsche), sowie aus Magyaren 5,6 % (4,9 %) und Ruthenen beziehungsweise Ukrainern 3,5 % (3,9 %) in der Slowakei. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass bei den Volkszählungen die Tschechen und Slowaken als „Tschechoslowaken“ angegeben wurden, so dass in manchen Quellen abweichende Anteile der Tschechen und Slowaken vorzufinden sind (zum Beispiel 43 % Tschechen und 22,5 % Slowaken), deren Summe aber von der obigen nicht abweicht. Die Ruthenen und Ukrainer wurden als "Rus(ové)" angegeben.
Das Verhältnis der Volksgruppen zueinander war konfliktbeladen. Es gab mehrere kleinere Auseinandersetzungen.
Die sudetendeutsche Volksgruppe lebte vor allem in den industriell geprägten Ballungsräumen und stellte prozentual eine größere Volksgruppe dar als die Slowaken. Mit ihrer Stellung im Staat waren sie unzufrieden, denn der Einmarsch tschechischer Truppen hatte 1918 Volksabstimmungen der Deutschen verhindert und der von den Sudetendeutschen geplante (auch geografisch freilich vollkommen unsinnige) Anschluss an Österreich war von den Siegermächten untersagt worden. Ehemals österreichische Beamte, die kein Tschechisch sprachen, wurden entlassen, ebenso erging es vielen Chefs staatseigener Betriebe. In den deutschen Schulen wurde die Staatssprache Tschechisch als Pflichtfach eingeführt (der sonstige Unterricht blieb deutsch). Viele Sudetendeutschen lehnten die Verpflichtung zum Erlernen der Staatssprache ab, wie sie in den zwanziger Jahren überhaupt in einer Fundamentalopposition gegenüber den neuen Machthabern verharrten. 1928 traten dann aber einige sudetendeutsche Parteien in die Regierung ein und die Lage entspannte sich etwas. Bereits wenige Jahre später waren große Teile der sudetendeutschen Bevölkerung von den Anfangserfolgen des deutschen Nationalsozialismus fasziniert. Die zuerst nach Autonomie strebende Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein wandte sich mit dem Erstarken des Nationalsozialismus Adolf Hitler zu.
Unzufrieden waren auch die Slowaken, die innerhalb des Staates keine Autonomie erhalten hatten, obwohl sie ihnen durch den Vertrag von Pittsburgh zwischen Amerikatschechen und Amerikaslowaken im Mai 1918 zugesichert worden war. Sie fühlten sich zudem durch den Begriff der tschechoslowakischen Nation beleidigt. 1929 kam es zudem zur Verurteilung einer der führenden slowakischen Persönlichkeiten, des slowakischen Professors Vojtech Tuka (*1880, †1946) zu 15 Jahren Zuchthaus, von denen er acht Jahre tatsächlich im Gefängnis absitzen musste. Tuka wurde während des Zweiten Weltkriegs slowakischer Premierminister. Slowakisch und Deutsch waren Anfang des 20. Jahrhunderts an Grundschulen in Ungarn nur als Fremdsprache zugelassen. Daher fehlte es an einer slowakisch sprechenden Intelligenz. Sie wurde durch tschechische Lehrer und Beamte ersetzt, deren Verhalten von den Slowaken als arrogant empfunden wurde. Die tschechischen Lehrer und Beamten trugen deutlich zu einer Tschechisierung der slowakischen Sprache bei.
Wirtschaft
In der Zwischenkriegszeit war die Tschechoslowakei einer der reichsten Staaten Europas, da die böhmischen Länder seinerzeit das industriereichste Gebiet Österreichs und die Slowakei eines der industriereichsten Gebiete Ungarns war. Jedoch war die Slowakei bis in die 1960er wirtschaftlich deutlich schwächer als der westliche Landesteil. Karpatenrussland, das 1945 von der UdSSR annektiert wurde, war 1918 ein praktisch industrieloses Gebiet mit einem hohen Anteil an Analphabetismus. Die Weltwirtschaftskrise traf auch die Tschechoslowakei in den Jahren 1929 bis 1933. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich auf eine Million.
1938 - 1939
Sudetenkrise
Im März 1938 begann die Sudetenkrise, die mit dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 (von den Tschechen auch Münchner Diktat genannt) endete. Die Tschechoslowakei musste ihr gesamtes Grenzgebiet zum Deutschen Reich (Sudetenland) an dieses abtreten. Ungarn sowie Polen wurde erlaubt ähnliche Forderungen an die Tschechoslowakei zu stellen, was später auch eintrat.
Nach der Ausführung des Abkommens hinterließ man mit mehr als 40 % der tschechischen Industrie einen fast wehrunfähigen und nur noch mühsam wirtschaftlich selbstständigen Reststaat. In den besetzten Gebieten fanden zunächst Vertreibungen und Morde an Tschechen, sowie Massenmorde und Verschleppungen von tschechischen Juden und Sinti beziehungsweise Roma statt. Die darauf folgenden Vergeltungsaktionen, wie zum Beispiel Sabotageakte tschechischer Widerstandskämpfer, führten erneut zu grausamen Aktionen durch die Wehrmacht und die SS.
Präsident Beneš legte am 5. Oktober 1938 sein Amt nieder und flüchtete nach London. In Anbetracht des Chaos in Tschechien, erklärten die Slowaken einen Tag später ihre ersehnte Autonomie innerhalb der Tschechoslowakei. Diese wurde einen Tag später von Prag anerkannt und am 22. November im so genannten Autonomiegesetz verankert, durch das auch der Staat zutreffend in die Tschecho-slowakische Republik umbenannt wurde. Dieser Staat ist auch unter dem Namen Zweite Republik bekannt. Am 11. Oktober wurde auch die erste autonome Regierung Karpatenrusslands ernannt.
"Liquidierung" der Zweiten Republik
Am 31. Oktober erließ Hitler eine Richtlinie über die endgültige Liquidierung der Tschechoslowakei durch die Besetzung Tschechiens und die Abtrennung der Slowakei. Diese Richtlinie wurde dann in der Folge verwirklicht. Am 2. November verlor die Slowakei durch den Wiener Schiedsspruch etwa ein Drittel des Staatsgebietes an Ungarn.
Im Februar 1939 begannen die Deutschen, die slowakischen Vertreter offiziell zur Erklärung einer selbstständigen Slowakei zu überreden. Um dies zu verhindern, besetzten am 9. März tschechische Truppen die Slowakei. 253 Slowaken wurden in Mähren interniert und in der Slowakei wurde eine neue Regierung eingesetzt. Am 13. März lud Hitler den von den Tschechen abgesetzten slowakischen Premierminister Jozef Tiso nach Berlin ein und "empfahl" ihm, so schnell wie möglich (mit Hitlers Worten „blitzschnell“) eine unabhängige Slowakei auszurufen. Andernfalls würde Hitler die Slowakei Ungarn und Polen überlassen. Am 14. März 1939 stimmte das aus Wahlen hervorgegangene slowakische Parlament einstimmig für die Selbständigkeit.
Die Tschecho-Slowakei hatte damit aufgehört zu existieren. Einen Tag später besetzte die Wehrmacht, entgegen dem Münchner Abkommen und ohne die Zustimmung der ausländischen Großmächte, das restliche Tschechien einschließlich Prag. Diese Gebiete wurden zum Protektorat Böhmen und Mähren erklärt. Gleichzeitig besetzte Ungarn entgegen dem Wiener Schiedsspruch Karpatenrussland. Im Gegensatz zu den Tschechen haben sich die Slowaken jedoch zur Wehr gesetzt: Nach einem weiteren Angriff Ungarns am 23. März im slowakisch-ungarischen Krieg vom 23. März bis zum 4. April 1938 verlor die Slowakei "nur" die östlichste Slowakei.
Beneš rechtfertigte seine Entscheidungen von 1938-1939 mit dem Bemühen um eine Verhinderung der Zerstörung der Sehenswürdigkeiten Prags sowie zahlreicher böhmischer und mährischer Städte. In einer Ansprache erläuterte er seine damaligen Beweggründe:
Wir haben uns ehrlich darum bemüht, uns mit den anderen Nationalitäten zu verstehen. Wir sind mit unseren Zugeständnissen bis an die äußersten möglichen Grenzen gegangen. ... Sie wissen, dass sich die vier Großmächte getroffen haben und unter sich über die Opfer entschieden haben, die sie von uns für die Erhaltung des Friedens forderten und die wir gezwungen wurden zu akzeptieren. Ich möchte heute diese Angelegenheiten weder kommentieren, noch kritisieren, sondern nur das eine sagen: die Opfer, die von uns so nachdrücklich gefordert werden, sind unangemessen und ungerecht. In dieser Zeit habe ich die Interessen unseres Staates und unsere Position in Europa mit allen Kräften verteidigt. Die Kräfte, die gegen uns waren, waren stärker. Ich denke, dass es unter diesen Umständen gut ist, dass eine neue Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit von unserer Seite nicht dadurch gestört wird, dass ein wichtiger Repräsentant wegen seiner persönlichen Einstellung dieser Entwicklung im Wege stehen könnte.
1939 - 1945
Protektorat
Das Protektorat Böhmen und Mähren umfasste die überwiegend von Tschechen bewohnten Teile Böhmens und Mährens. Die Regierung unter Präsident Emil Hacha stand unter der Aufsicht eines Reichsprotektors. Da das Protektorat dank seiner breiten industriellen Basis einen wertvollen materiellen Beitrag zur deutschen Kriegsmaschine geleistet hat (zum Kriegsende lieferte das Protektorat etwa ein Drittel des deutschen Kriegsgeräts), fanden hier keine Massenvernichtungen statt. Verschleppungen in das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) und in andere Arbeitslager außerhalb des Protektorats waren allerdings nicht unüblich. Von den rund 120.000 Juden der böhmischen Länder (davon rund 30.000 im sudetendeutschen Grenzgebiet, 90.000 im tschechischen Gebiet, dem späteren Protektorat) wurden rund 78.000 von den Nazis ermordet. Zudem wurden etwa 8000 Tschechen ermordet, davon etwa 1700 während der Terrorwelle nach dem Heydrich-Attentat.
Nach dem erfolgreichen Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich machten die Nazis am 10. Juni 1942 das Dorf Lidice und den Weiler Ležáky dem Erdboden gleich. Alle männlichen Einwohner wurden erschossen und Frauen, Kinder und Alte wurden in Konzentrationslager deportiert (zusammen knapp 200 Tote). Die Verschleppungen von Juden in die Konzentrationslager wurde fortgesetzt. Vier Tage vor dem Kriegsende brach noch in Prag und anderen tschechischen Städten ein bewaffneter kommunistischer Aufstand los, der sich vor allem gegen tschechische Kollaborateure und die deutsche Minderheit in Prag und Umgebung richtete.
Slowakei
Die Slowakei dagegen wurde nicht, bis auf einen kleinen Streifen entlang Mährens, von deutschen Truppen besetzt. Sie musste in der Folge mit Deutschland nur einen "Schutzvertrag" abschließen. Verschleppungen der Slowaken oder der Roma fanden nicht statt. Die Juden wurden aber nach ständigem Druck Deutschlands in Arbeitslager ins Ausland verschleppt. Nachdem jedoch publik wurde, um was für Arbeitslager es sich in Wirklichkeit handelte, wurden die Transporte gestoppt. Sie wurden erst Ende 1944 wieder aufgenommen. Ursache hierfür war der Slowakische Nationalaufstand. Viele Slowaken waren im August 1944 in diesem militärisch gescheiterten aber für die Nachkriegszeit wichtigen Aufstand gegen Hitler beteiligt. Hitler hat deswegen beschlossen, auch die Slowakei militärisch zu besetzen.
Exil-Tschechoslowakei
In London gründete Beneš 1940 eine Exilregierung und er selbst wurde zum Exilpräsidenten. Die Exilregierung wurde von Großbritannien, später auch von den USA und der Sowjetunion anerkannt. Die Tschechoslowakei wurde, mit intensiver Unterstützung durch in der UdSSR gebildeten tschechoslowakischen Legionen, überwiegend durch die Rote Armee befreit. Sie nahmen Bratislava am 4. April und Prag am 8./9. Mai 1945 ein. Das südwestliche Tschechien wurde durch die US Third Army (General Patton) befreit. Die Besetzung Prags durch die Sowjetarmee am 9. Mai beendete auch den Kampf des tschechoslowakischen Widerstands gegen das Naziregime. Die Tschechoslowakei wurde in ihren Grenzen von 1937 erneuert, außer dass Karpatenrussland der UdSSR überlassen wurde. Die Slowakei verlor ihre kurzlebige Unabhängigkeit.
1945 - 1948
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die offizielle Bezeichnung von 1945 bis 1960 wieder Tschechoslowakische Republik (ČSR). Bezüglich der Sudetendeutschen setzten in Tschechien Racheakte, Massenflucht und ihre Abschiebung und Vertreibung auf der Basis des von allen Alliierten beschlossenen Potsdamer Abkommens und der darauf folgenden und darauf basierenden Beneš-Dekrete ein. Bei der ungarischen Minderheit ist nach einer Vereinbarung mit Ungarn sowie der weitgehenden Rückgängigmachung der anfänglichen Umsiedlungsversuche nach Tschechien 1948 die Anzahl der Ungarn in der Slowakei gegenüber dem Vorkriegsstand nur geringfügig gesunken.
Die Wahlen von 1946 haben in Tschechien die Kommunisten mit 40 % und in der Slowakei die Anti-Kommunisten (die Demokratische Partei) mit 62 % gewonnen. Da jedoch die Slowakei deutlich kleiner ist als Tschechien, hat dieses Wahlergebnis den (schon seit dem Zweiten Weltkrieg teilweise von Moskau aus gelenkten) Kommunisten insgesamt auf landesweiter Ebene ermöglicht, in Prag zuerst entscheidende Ministerposten zu besetzen, dann 1947 schnell die slowakische Demokratische Partei aus dem Weg zu räumen und mit der Verstaatlichung der Wirtschaft zu beginnen, und schließlich im Februar 1948 durch einen Staatsstreich die Macht vollständig an sich zu reißen.
1948 - 1989
Der wieder gegründete und 1948 kommunistisch gewordene Staat hatte sich der stalinistischen Politik der Sowjetunion anzufügen. Edvard Beneš trat zurück, weil er die neue Verfassung von Mai 1948 nicht unterschreiben wollte. Der kommunistische Führer Klement Gottwald proklamierte eine kommunistische Republik (seit 1960 dann offiziell Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR)) und wurde Präsident. Die tschechischen Landesteile Böhmen und Mähren bildeten mit der Slowakei einen einheitlichen zentralistischen Staat bis 1969.
Nach der Wahl von Alexander Dubček zum Parteichef 1967 begann im Frühjahr 1968 die Kommunistische Partei ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzuführen, welches durch die rasch entstehende kritische und reformorientierte Öffentlichkeit beeinflusst und verstärkt wurde. Dieser Versuch, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen, ging unter dem Schlagwort "Prager Frühling" in die Geschichte ein. Den Reformbemühungen wurde jedoch am 21. August 1968 durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein Ende gesetzt. Dubček wurde entmachtet und durch Gustáv Husák ersetzt, der die Reformen von Dubček bis Anfang der 1970er rückgängig machte und sämtliche Führungspositionen im Staat bis 1987 innehatte. 1969 wurde die Tschechoslowakei in einen aus Tschechien und der Slowakei bestehenden Bundesstaat umgewandelt.
1954 wurde die Tschechoslowakei aus dem IWF ausgeschlossen und erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhundert wieder aufgenommen.
1989 – 1992
Nach der "Samtenen Revolution" 1989, einer verhältnismäßig friedlichen und gewaltlosen Erhebung des Volkes, wurde das Regime der Kommunistischen Partei beendet. Es zeichnete sich bald ab, dass der Staat "Tschechoslowakei" auf Dauer keinen Bestand mehr haben würde. Im April 1990 wurde die Bezeichnung Tschechoslowakische Föderative Republik in Tschechien beziehungsweise Tschecho-slowakische Föderative Republik in der Slowakei eingeführt; sie wurde aber etwa einen Monat später geändert und bis zu dem Zeitpunkt, als sich die beiden Staaten trennten, also bis zum Ende des Jahres 1992, hieß das Land die Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR) mit den Kurzformen Tschechoslowakei in Tschechien beziehungsweise Tschecho-Slowakei in der Slowakei.
Mit dem 1. Januar 1991 wurden alle (in der Vergangenheit üblichen) Umverteilungen von Budgetgeldern aus Tschechien in die Slowakei beendet. Im Mai 1991 haben die Abgeordneten des tschechischen Parlaments bereits hinter geschlossenen Türen über die Eventualität einer Auflösung der Tschechoslowakei verhandelt. Nach zahlreichen ergebnislosen Verhandlungen zwischen den Tschechen und den Slowaken wurde schließlich beschlossen, bezüglich einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Tschechoslowakei bis zu den Neuwahlen in 1992 zu warten. Nach Verhandlungen der damaligen, aus den Wahlen von 1992 hervorgegangenen Premierminister der Bundesstaaten Tschechien (Václav Klaus) und Slowakei (Vladimír Mečiar), hat man beschlossen, die Tschechoslowakei friedlich aufzulösen. Am 1. Januar 1993 teilte sich die Tschechoslowakei dann wie geplant in Tschechien und die Slowakei.
Tschechien (ab 1993)
Nach der "Samtenen Revolution" 1989 zeichnete sich bald ab, dass die Tschechoslowakei auf Dauer keinen Bestand mehr haben würde. Die heutige unabhängige Tschechische Republik mit der Hauptstadt Prag entstand somit am 1. Januar 1993 aus dem westlichen Teil der ehemaligen Tschechoslowakei und umfasst die so genannten ehemaligen Böhmischen Kronländer.
Im August 2002 litt Tschechien, wie auch andere Teile Mitteleuropas, unter schweren Überschwemmungen. Teile von Prag und anderen Städten oder Dörfern mussten evakuiert werden und Kulturgut wurde zerstört oder beschädigt.
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