Bevölkerung - Türkei


 

 

Inhaltsverzeichnis:

0      Türkei
1      Geografie
1.1   Lage
1.2   Landschaftsbild
1.3   Klima
1.4   Flora und Fauna
1.5   Städte
2      Geschichte
3      Verwaltung und Politik
3.1   Ergebnis der
        Parlamentswahlen
3.2   Verwaltung
3.3   Gewerkschaften
3.4   Außenpolitik
4      Bevölkerung
4.1   Ethnien
4.2   Religion
4.3   Sprachen
4.4   Soziales
5      Bildungssystem
5.1   Schulsystem
5.2   Hochschulen
6      Kultur
6.1   Medien
6.2   Literatur
6.3   Film
6.4   Musik
6.5   Küche
6.6   Sitten und Gebräuche
6.7   Feiertage
7      Sport
7.1   Fußball
7.2   Olympische Spiele
8      Wirtschaft
8.1   Wirtschaftssektoren
8.2   Handelspartner
9      Transport und Verkehr
9.1   Straßenverkehr
9.2   Schienenverkehr
9.3   Luftverkehr
9.4   Wasserverkehr
9.5   Ölleitungen
9.6   Telekommunikation
10    Militär
10.1 Politische Rolle
10.2 Wirtschaftliche Rolle
10.3 Auslandseinsätze
11    Tourismus und-
        Sehenswürdigkeiten
11.1 Museen und -
        historische Plätze
11.2 Badestrände und-
        Landschaften
11.3 Weltkulturerbe und-
        Weltnaturerbe
11.4 Naturschutzgebiete
12    Weblinks
15    Immobilien
14    Reisen
15    Bücher
16    Reisegewinnspiel
17    Reisenewsletter

        Weitere Länder

Bevölkerung - Türkei

Minderheitenpolitik der Türkei

Dieser Artikel behandelt die Minderheitenpolitik der Türkei seit der Republiksgründung 1923. Die offizielle Politik war lange Zeit bestrebt die Heterogenität der türkischen Gesellschaft zu verringern und ein türkisches Nationalbewusstsein zu erzeugen. Daher wurden bis vor kurzem die religiöse und ethnische Diversität der Gesellschaft geleugnet und die kulturelle Freiheit, insbesondere der kurdischen Minderheit, unterdrückt. Diese Politik war und ist in sich widersprüchlich, da die ethnische Majorität teilweise zu religiöser Minorität gehört.

Diese politische Haltung lässt sich teilweise auf die osmanische Vergangenheit beziehen. Im Osmanischen Reich wurde die Bevölkerung nicht nach ethnischen Gesichtspunkten differenziert, sondern nach religiösen Aspekten. Eine Bevölkerungsgruppe bekam nur dann eine Eigenständigkeit als Millet zuerkannt, wenn neben religiösen auch große kulturelle Unterschiede vorhanden waren. Türke bedeutete daher nicht das Staatsvolk im Osmanischen Reich. Dieses definierte sich als Osmanlı. Europäische Minderheiten wurden Levantiner genannt. Türke wurde als abfällige Bemerkung für die turkmenische, muslimische Bevölkerung in Anatolien benutzt.

Staatsverständnis
Der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk und die Kemalisten um ihn rum definierten das Staatsvolk der neuen Nation unabhängig von der religiösen und ethnischen Zugehörigkeit als Staatsnation. Jeder der über 40 Ethnischen Gruppen sollte sich als Türke identifizieren und das ungeachtete seiner Herkunft, somit wurde die Staatsnation der Türken definiert.

Hinreichende Bedingung war das Bekenntnis zur türkischen Nation. Das türkische Konstrukt der Staatsnation geht deshalb - in Anlehnung an das französische Vorbild - von der unteilbaren Einheit von Staatsgebiet und Staatsvolk aus. Daraus abgeleitet wurden allen ethnischen Gruppen kulturelle Rechte verweigert, und der ethnischen Vielfalt eine homogene türkische Staatsverständnis entgegen gesetzt. Dem Verständnis der Staatsnation widerspricht jedoch, daß allen ethnischen Gruppen kulturelle Rechte verweigert wurden und die etnische (türkische) Homogenität der türkischen Nation angestrebt wurde.

Die Türkei betrieb daher bis vor kurzem, gegenüber Minderheiten eine Assimilierungspolitik, die jeden türkischen Staatsbürger kulturell und ethnisch als Türken ansah. Das führte etwa dazu, dass die kurdische Sprache lange Zeit verboten war und die kurdische Identität und kultur unterdrückt wurde.

Kurden, die sich dem Staat verpflichtet fühlten und eine türkische Identität entwickelten, war eine Karriere in allen staatlichen und gesellschaften Bereichen möglich. So war z.B. Turgut Özal als Kurde Ministerpräsident und Staatspräsident.

Aktuelle Situation
Die Repressalien gegenüber den ethnischen und religiösen Minderheiten lassen sich daher auf die geschichtlichen Erfahrungen im Osmanischen Reich und die daraus resultierende Staatsideologie des Kemalismus zurückführen. Diese Sichtweise prägt immer noch das Handeln und Denken großer Teile der kemalistisch geprägten Eliten in Politik, Verwaltung und Militär.

Vor allem die kurdische Minderheit sollte, u.a. auch durch Anwendung von Zwangsmaßnahmen (z.B. Verbot der kurdischen Sprache, Umsiedlungen), „türkisiert“ werden. Kulturelle und ethnische Unterschiede wurden lange Zeit geleugnet. Die Kurden wurden als „Bergtürken“ bezeichnet und damit wurde auch im offiziellen Sprachgebrauch das Kurdische verdrängt. Die Assimilierung der kurdischen Oberschicht, die Großgrundbesitzer und ehemaligen Stammesoberhäupter (Aghas), fiel dabei besonders leicht.

Im Zuge der Reformen und weiterer Demokratisierung der türkischen Gesellschaft seit 2001 schwächt sich diese Haltung ab. Ein Bericht eines Regierungsausschusses über Minderheiten in der Türkei, der im November 2004 vorgelegt wurde, löste eine kontroverse Diskussion zwischen konservativen und liberalen Kräften aus. Der Bericht schlägt vor, die Verfassung in den Passagen zu ändern, in der von der Einheit des Staatsvolkes, der Kultur und des Staates ausgegangen wird. Stattdessen soll die unterschiedliche ethnische und kulturelle Zusammensetzung der türkischen Gesellschaft anerkannt und ihre Bewahrung gefördert werden. Damit wird dem Einheitsstaat-Gedanken eine multikulturelle, freie und pluralistische Gesellschaft entgegengesetzt. Die Konservativen befürchten, dass durch die Anerkennung der Vielfältigkeit dem Separatismus Vorschub geleistet wird und es zu einer Teilung und Schwächung der Türkei kommt.