Inhaltsverzeichnis:
0 Türkei
1 Geografie
1.1 Lage
1.2 Landschaftsbild
1.3 Klima
1.4 Flora und Fauna
1.5 Städte
2 Geschichte
3 Verwaltung und Politik
3.1 Ergebnis der
Parlamentswahlen
3.2 Verwaltung
3.3 Gewerkschaften
3.4 Außenpolitik
4 Bevölkerung
4.1 Ethnien
4.2 Religion
4.3 Sprachen
4.4 Soziales
5 Bildungssystem
5.1 Schulsystem
5.2 Hochschulen
6 Kultur
6.1 Medien
6.2 Literatur
6.3 Film
6.4 Musik
6.5 Küche
6.6 Sitten und Gebräuche
6.7 Feiertage
7 Sport
7.1 Fußball
7.2 Olympische Spiele
8 Wirtschaft
8.1 Wirtschaftssektoren
8.2 Handelspartner
9 Transport und Verkehr
9.1 Straßenverkehr
9.2 Schienenverkehr
9.3 Luftverkehr
9.4 Wasserverkehr
9.5 Ölleitungen
9.6 Telekommunikation
10 Militär
10.1 Politische Rolle
10.2 Wirtschaftliche Rolle
10.3 Auslandseinsätze
11 Tourismus und-
Sehenswürdigkeiten
11.1 Museen und -
historische Plätze
11.2 Badestrände und-
Landschaften
11.3 Weltkulturerbe und-
Weltnaturerbe
11.4 Naturschutzgebiete
12 Weblinks
15 Immobilien
14 Reisen
15 Bücher
16 Reisegewinnspiel
17 Reisenewsletter
Weitere
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Wirtschaft - Türkei
Die wirtschaftliche Situation der Türkei ist immer noch sehr widersprüchlich. Einerseits besteht eine sehr große Kluft zwischen dem industrialisierten Westen und ihrer modernen Industrie (insbesondere den großen Metropolen) und dem agrarisch strukturierten und wenig entwickelten Osten.
Der Großraum Istanbul erreicht beispielsweise 41 % des durchschnittlichen Einkommens der 15 „alten“ EU-Staaten, der Osten hingegen nur 7 %. Diverse Projekte, u.a. die großen Staudamm-Projekte (Südostanatolien-Projekt (GAP)) sollen dem Osten helfen, sich besser zu entwickeln. Zudem gibt es innerhalb der türkischen Volkswirtschaft erhebliche strukturelle Probleme. So trägt die Landwirtschaft zum BSP lediglich 11,9 % bei, beschäftigt aber 40 % der Arbeitskräfte. Die Industrie trägt 29,6 % zum BSP bei und der Dienstleistungssektor 58,5 %. In der Industrie arbeiten 20,5 % aller Erwerbstätigen und in der Dienstleistung 33,7 %. Seit 1996 besteht zwischen der Türkei und der EU eine Zollunion (51,6 % der Exporte gehen in die EU).
Dominiert wird der private Industriesektor durch Industriellenfamilien wie Sabancı und Koç.
Wirtschaftliche Entwicklung der Türkei
Die industrielle Revolution, die im 19. Jahrhundert in Europa stattfand, erreichte das Osmanische Reich aus mehreren Gründen nicht. Zum einen fehlte es an Kapital und Infrastruktur, jedoch auch an der fehlenden unternehmerischen Mentalität in der Bevölkerung. Der Unternehmer war in der Gesellschaft des osmanischen Reiches nicht so sehr angesehen wie eine Laufbahn als Offizier oder Beamter. Eine wirtschaftliche Betätigung außerhalb des Handwerks, der Landwirtschaft und als Großgrundbesitzer fand nicht statt.
Das Handwerk geriet im 19. Jahrhundert in immer größere Schwierigkeiten, da es nicht mit den industriell produzierten Waren konkurrieren konnte. Die europäischen Mächte hatten nämlich durch Verhandlungen eine weitestgehende Zollfreiheit für ihre Produkte erreicht und "überschwemten" den Markt mit billiger Maßenware.
Es existierten nur wenige industrielle Betriebe im Reich. Die meisten waren in Istanbul, Izmit, Eskisehir, Bursa, Manisa und Izmir angesiedelt und befanden sich zumeist in staatlicher Hand. Die wenigen privaten Unternehmen waren im Besitz von Minderheiten wie Armenier, Griechen und Juden. Die Landwirtschaft und das Handwerk bildeten so das Rückgrat der osmanischen Wirtschaft.
Das Erbe der Osmanischen Vergangenheit lastete schwer auf der neugegründeten Republik. Das Handwerk, die Kreditwirtschaft, der Außenhandel litten an dem Verlust des Know-hows der Armenier und Griechen. Mit dem Weggang der Mehrzahl dieser Minderheiten gingen nicht nur Kapital verloren sondern auch weiche Faktoren wie kaufmännische Erfahrung und internationalen Handelsbeziehungen.
Die Landwirtschaft fiel Finanzquelle für Investitionen aus weil sie uneffizient organisiert war. Das Land gehörte größtenteils Großgrundbesitzern die ihr Land an Kleinbauern verpachteten oder bewirtschaften ließen. Es fehlte der Anreiz die Erträge zu steigern. Auch die Rahmenbedingungen waren für einen wirtschaftlichen Aufschwung nicht vorhanden. Es fehlte an einem modernen Wirtschaftsrecht, Verwaltung, Steuersystem und einer ausgebildeten Bevölkerung (90% der 14 Mio. türkische Türken waren 1927 Analphabeten).
Bei der Entwicklungspolitik setzte die Regierung unter Mustafa Kemal ab 1923 auf die Industrie und vernachlässigte die Landwirtschaft. Um die private Wirtschaft anzuregen investierte der Staat in den Folgejahren in die Infrastruktur. Die private Wirtschaft kam aber in den frühen Jahren der Republik, aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen, nicht in Gang. Auch war die Türkei für ausländische Investoren aufgrund ihres kleinen Marktes zu uninteressant. 1927 waren in der der Türkei schätzungsweise nur 27.000 Industriemitarbeiter beschäftigt.
Nach dem Ende der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre ging die Türkei dazu über die Industrialisierung durch staatliche Investitionen und Firmengründungen zu forcieren. Hierzu wurden "Fünfjahrespläne" aufgestellt und in Branchen wie z.B. Textil, Zement, Keramik, Banken investiert. Zur Schaffung des Investitionsvolumens nahm die Türkei einen Kredit von der Sowjetunion auf. Auf diese Weise verbesserte sich die Situation in der Wirtschaft im Vergleich zu den Anfangsjahren der Republik. Dennoch waren 1953 gerade mal 26.000 in privaten und 86.000 Arbeiter in staatlichen Industrie-Unternehmen beschäftigt.
Die Phase zwischen 1945 und 1980 kann als eine binnenorientierte Wirtschaftspolitik bezeichnet werden. Die inländischen Unternehmer wurden durch Schutzzölle vor der ausländischen Konkurrenz geschützt. Gleichzeitig hemmte die staatliche Bürokratie die Exporte, womit die notwendigen Devisen fehlten um die für die weitere Industrialisierung notwendigen Investitionsgüter und Vorprodukte zu importieren. Der Großteil der staatlichen Wirtschaftsunternehmen war ineffizient organisiert. Die Staatsbetriebe wurden von der Politik für politische und soziale Ziele instrumentalisiert. Zum einen mussten sie zu politisch motivierten Festpreisen ihre Waren verkaufen, zum anderen wurden sie als Auffangbecken für Arbeitslose missbraucht und stellten daher Personal über ihren Bedarf ein. Um die hochgesteckten Ziele der Fünfjahrespläne zu erfüllen musste der Staat mehr investieren als er einnahm. Das Haushaltsdefizit stieg und mit ihm die Schulden, bis die Inflation auf zweistellige Werte anstieg (erst 2004 wurden wieder einstellige Inflationszahlen erreicht).
Die steigende Abhängigkeit durch die Auslandsverschuldung führte in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren zu drei Finanz- und Wirtschaftskrisen die soziale und politische Krisen nach sich zogen und in Militärputschen endeten. Vor allem in den 60er-Jahren wanderten viele Türken aus (Gastarbeiter), vor allem nach Europa. Dadurch sank der Druck auf den Arbeitsmarkt, der durch ein starkes Bevölkerungswachstum hervorgerufen wurde. Die Geldüberweisungen der "Auslandstürken" waren in den folgenden Jahrzehnten einer der wichtigsten Devisenquellen der Türkei. Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten war das durchschnittliche wirtschaftliche Wachstum der Türkei recht hoch. In den 50er-Jahren betrug es 6,7%, in den 60ern 5,6% und in den 70ern 4,1%. Die Wachstumsraten reichten allerdings nicht aus die Lücke zu den Industrienationen zu schließen.
Ab 1982 vollzog sich eine wirtschaftspolitische Wende in der Türkei hin zu einer Liberalisierung. Dieser Wandel fand unter Turgut Özal (Ministerpräsident von 1983 bis 1989) statt und kann als exportorientierte Industrialisierung bezeichnet werden. Unter Özal wurde die Geld-, Finanz-, Außenhandels- und Devisenpolitik radikal verändert. Um die türkische Wirtschaft konkurrenzfähiger zu machen wurden Importverbote und -beschränkungen abgebaut und der Export gefördert. Damit ging ein weiterer Abbau der Bürokratie einher (z.B. Erleichterung ausländischer Investitionen). Während dieser Zeit stieg der Anteil der privaten Wirtschaft stark an, auch wegen der zunehmenden Privatisierung von ehemals staatlichen Unternehmen. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in den 80ern betrug 4,8%. Allerdings verteilte sich das Wachstum ungleichmäßig innerhalb der Regionen der Türkei (West und Ost) und zwischen den Bevölkerungsschichten. Diese Entwicklung verstärkte sich mit den Auseinandersetzungen im Südosten ab 1984 (Siehe: Kurdenkonflikt in der Türkei).
Durch die zunehmende Senkung der Importbarrieren stieg der Konkurrenzdruck auf die türkischen Betriebe. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete 1996 der Beitritt zur europäischen Zollunion. Das befürchtete Zusammenbrechen der türkischen Wirtschaft trat jedoch nicht ein. Aber auch die erhoffte Zunahme der ausländischen Investitionen blieb aus. In den 90ern wuchs die türkische Wirtschaft mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von über 5%, und das, obwohl es immer wieder zu schweren Wirtschaftskrisen (1994, 1999 und 2001) kam.
Die letzte Krise im Jahre 2001 wurde durch ein steigendes Leistungs- und Handelsbilanzdefizit, verbunden mit einem maroden Bankensystem und einer Staatskrise ausgelöst. Aufgrund dieser Probleme kam es zu Spekulationen und Kapitalflucht, was die türkische Zentralbank dazu zwang, die türkische Lira freizugeben. Durch den starken Wertverlust der Lira (innerhalb weniger Stunden 40%) stiegen die ausländischen Schulden (in Lira gerechnet) in unbezahlbare Höhen, woraufhin viele Unternehmen in Konkurs gingen und die Arbeitslosigkeit stark anstieg. Resultat war eine der schwersten Rezessionen der türkischen Geschichte (die türkische Wirtschaftsleistung schrumpfte um über 8%). Um einen Staatsbankrott abzuwenden gewährte der IWF der Türkei im Zeitraum von 2002–2004 einen Kredit in Höhe von insgesamt 31 Mrd. $. Aufgrund der strikten Austeritätspolitik der Regierungen seit 2001 und der Auflagen des IWF hat die Türkei die schwere Finanzkrise von 2001 überwunden und weist wieder ein hohes Wirtschaftswachstum auf.
Die Türkei scheint ihre chronische Inflation mittlerweile in den Griff bekommen zu haben. Die Inflation erreichte zeitweise dreistellige, beinahe hyperinflationäre Zahlen (1994/1995 betrug sie 150%), 2003 sank sie auf 18,4%, nach Schätzungen betrug sie 2004 ca. 9,4%. Am 1. Januar 2005 wurde die alte „Türkische Lira“ durch die „Neue Türkische Lira“ (Yeni Türk Lirası) ersetzt. Damit verliert die Türkische Lira 6 Nullen. Außerdem wird die Untereinheit der Lira, der Kuruş, wieder eingeführt. Der Kuruş wurde vor ca. zwei Jahrzehnten abgeschafft, weil aufgrund der hohen Inflation die Lira stark an Wert verloren hatte. Auf den Vorderseiten der neuen 20, 50 und 100 Lira-Scheine ist wie bis dahin der türkische Staatsgründer Atatürk zu sehen. Bis Ende 2005 sind beide Währungen gültig. Eine weitere wirtschaftliche Herausforderung für die Türkei stellt der hohe Schuldenstand dar. Bezogen auf das BSP beträgt sie 78,7% (Stand 2003). Damit bekleidet die Türkei weltweit den 22. Platz der relativ am wenigsten verschuldeten Staaten.
2005 kommt die Privatisierung von Staatsunternehmen voran. In den ersten neun Monaten wurden Einnahmen von 13,9 Mrd. $ erzielt. 2004 waren es hingegen nur 1,2 Mrd. $. Die höchsten Einnahmen erzielte der Staat durch den Verkauf von TÜPRAŞ. Ein Konsortium aus einem Türkischen Industrie Holding und Shell bot für 51% der Aktien 4,14 Mrd. $.
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